Unsere Empfehlungen
Der Wunderling
Autor: Mira Bartók
Verlag: Aladin
ISBN: 978-3-8489-2085-3
Preis: 16,95 €
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Dezember 2017)
In Miss Carbunkles Waisenheim für widerspenstige und missratene Geschöpfe lebt der kleine Fuchs-Erdling Nummer Dreizehn. An seinen richtigen Namen kann sich Nummer Dreizehn nicht mehr erinnern und außer einem Schlüssel sowie einem Stück Babydecke, in der er gefunden wurde, besitzt er nichts. Tagtäglich müssen die Erdlinge, sie sind alle eine …
WeiterlesenIn Miss Carbunkles Waisenheim für widerspenstige und missratene Geschöpfe lebt der kleine Fuchs-Erdling Nummer Dreizehn. An seinen richtigen Namen kann sich Nummer Dreizehn nicht mehr erinnern und außer einem Schlüssel sowie einem Stück Babydecke, in der er gefunden wurde, besitzt er nichts. Tagtäglich müssen die Erdlinge, sie sind alle eine Mischung aus Tier und Mensch, für die Heimleiterin Miss Carbunkle kleine Käfer herstellen und bekommen dafür nur Haferbrei und trockenes Brot zu essen. Zusätzlich wird Nummer Dreizehn, weil er nur ein Ohr hat, furchtbar gepiesackt. Doch mit dem einem Ohr kann er die Sprache der Mäuse verstehen und Geräusche hören, die für andere nicht wahrnehmbar sind.
Dann lernt er das Vogelmädchen Trixi kennen, sie hat zwar keine Flügel, aber ist sie ungeheuer geschickt mit ihrem Schnabel. Trixi ist es auch die ihm den Namen Arthur gibt, nach dem berühmten und tapferen Ritter der Tafelrunde. Zusammen gelingt ihnen die Flucht aus dem Heim und sie begeben sich auf die Suche nach Arthurs Herkunft. Miss Carbunkles Gefolgsleute sind ihnen dicht auf den Fersen und in der Stadt Lichterburg gerät Arthur immer mehr in Schwierigkeiten. Doch zunehmend spürt er bewusst seine Bestimmung und die Erinnerung an ein Wiegenlied gibt ihm den nötigen Willen, um Miss Carbunkles teuflischen Plan zu vereiteln. Denn er ist der Wunderling.
Als mitfühlend, gutmütig und mutig wird der kleine Wunderling beschrieben, was er und seine Freunde im Buch auch so widerspiegeln. Das Gute besiegt am Ende das Böse und macht die Geschichte dadurch natürlich auch zu so einer herzerwärmende Geschichte. Dazu kommt noch ein wunderschönes Cover und das Gesamtpaket ist perfekt. Ein rundum zauberhaftes Buch.
Hollywood hat sich bereits die Filmrechte gesichert! Als Regisseur konnte Stephen Daldry ( Billy Eliott / Der Vorleser ) verpflichtet werden.
Allein die Vorstellung, wie der kleine Arthur in der Verfilmung aussehen wird, macht mich neugierig. Aber da muss man sich noch etwas in gedulden, wann und ob der Regisseur Stephen Daldry bereits mit den Dreharbeiten begonnen hat, konnte ich noch nicht herausfinden.
Fiona - Als ich tot war
Autor: Harry Bingham
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-0016-5
Preis: 19,95 €
Buchtipp von: Rainer Francke (November 2017)
Fiona Griffiths ist Polizeibeamtin in einem ganz normalen Revier, gleichzeitig absolviert sie aber eine Ausbildung für Undercover-Einsätze. Und schon bald werden ihre Talente gefragt sein. Denn ein zunächst langweiliger Lohnabrechnungsbetrug in einem Möbelhaus entpuppt sich als ein Fall mit Spuren zur organisierten Kriminalität. Plötzlich gibt es …
WeiterlesenFiona Griffiths ist Polizeibeamtin in einem ganz normalen Revier, gleichzeitig absolviert sie aber eine Ausbildung für Undercover-Einsätze. Und schon bald werden ihre Talente gefragt sein. Denn ein zunächst langweiliger Lohnabrechnungsbetrug in einem Möbelhaus entpuppt sich als ein Fall mit Spuren zur organisierten Kriminalität. Plötzlich gibt es auch Tote und es wird klar: es geht um Geld, sehr viel Geld.
Fiona wird als Putzfrau in das System eingeschleust. Ihre besonderen Begabungen sind auf einmal nicht nur für die Polizei wertvoll, auch die skrupellosen Verbrecher erkennen ihre Fähigkeiten und versuchen sie zu nutzen. Fiona, selbst mit einem Ex-Kriminellen als Vater und damit mit besonderen Verbindungen ausgestattet, muss ihren Weg allein auf sich gestellt finden …
Spannend, temporeich, mit einer ganz besonderen Protagonistin: ein toller Beginn einer Reihe um Fiona Griffiths, der Lust auf die weiteren Folgen macht!
Der Nebelmann
Autor: Donato Carrisi
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-016-2
Preis: 20,00 €
Buchtipp von: Stefan Decken (November 2017)
In einer eisigen Februarnacht irrt der römische Sonderermittler Vogel mit blutbeflecktem Hemd durch die nebelverhangenen Wälder am Rand eines Dorfes in den italienischen Alpen. Vogel war zur Weihnachtszeit angereist, um der örtlichen Polizeibehörde bei der Suche nach einem vermissten Mädchen zu helfen: Anna Lou, ein Teenager aus einer streng …
WeiterlesenIn einer eisigen Februarnacht irrt der römische Sonderermittler Vogel mit blutbeflecktem Hemd durch die nebelverhangenen Wälder am Rand eines Dorfes in den italienischen Alpen. Vogel war zur Weihnachtszeit angereist, um der örtlichen Polizeibehörde bei der Suche nach einem vermissten Mädchen zu helfen: Anna Lou, ein Teenager aus einer streng katholischen Familie, hatte am späten Nachmittag das Elternhaus verlassen, um zu einem Treffen in der Dorfkirche zu gehen, war aber nie dort angekommen.
Dreißig Jahre zuvor waren mehrere Mädchen in den umliegenden Wäldern verschwunden, und in der Bevölkerung wächst der Verdacht, dass der Mörder von damals - im Dorf nur "Der Nebelmann" genannt - wieder aktiv geworden ist. Denn keines der Verbrechen konnte je aufgeklärt werden.
Als Vogel nun von der Polizei aufgegriffen wird, gibt er an, aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse einen Unfall mit seinem Auto gehabt zu haben, doch das Blut an seinem Hemd stammt nicht von ihm. Ein Psychiater wird gerufen, um ihn zu befragen. Schließlich beginnt Vogel zu erzählen,und sein Bericht ist ungeheuerlich ...
Mit Donato Carrisi - in Apulien geboren, Jurist, spezialisiert auf Kriminologie und Verhaltensforschung - habe ich einen weiteren italienischen Autor entdeckt, der es versteht, in seinen Kriminalromanen die menschlichen Abgründe bloßzustellen und in eine extrem spannende Handlung einzubetten.
Weniger anzeigenBorne
Autor: Jeff VanderMeer
Verlag: Antje Kunstmann
ISBN: 978-3-95614-197-3
Preis: 22,00 €
Buchtipp von: Anne Simon (November 2017)
Oft geht es mir beim Lesen so, dass ich schon nach einigen Seiten einschätzen kann, in welche Richtung eine Geschichte steuert. Welchem Genre sie zuzuordnen ist und wem ich das Buch später weiterempfehlen kann. Auch wenn es am Ende der Story noch einen überraschenden Kniff, eine unerwartete Wendung gibt, ich weiß trotzdem in welches Regal ich es …
WeiterlesenOft geht es mir beim Lesen so, dass ich schon nach einigen Seiten einschätzen kann, in welche Richtung eine Geschichte steuert. Welchem Genre sie zuzuordnen ist und wem ich das Buch später weiterempfehlen kann. Auch wenn es am Ende der Story noch einen überraschenden Kniff, eine unerwartete Wendung gibt, ich weiß trotzdem in welches Regal ich es später einsortieren kann.
Manchmal ist das vielleicht zu eindeutig, die Geschichte zu durchschaubar, aber oft ist es auch gut, eine Idee zu haben, womit man die nächsten, Stunden und Tage lesend seine Zeit verbringen wird. Und dann gibt es Bücher wie die von Jeff Vandermeer, dessen neuestes Werk „Borne“ jetzt im Antje Kunstmann Verlag erschienen ist. Ich bin begeistert und weiß gar nicht so recht, warum und wie er das gemacht hat. Vandermeer erschafft Welten, die man nie ganz fassen kann. Er verrät zunächst wenig und serviert auch keine einfachen Erklärungen. Die Geschehnisse sind für den Leser genauso unvorhersehbar wie für die Protagonisten. Erst Stück für Stück erschließt sich eine Welt, die so atemberaubend ist, dass sie den Leser bis zum Ende nicht wieder loslassen wird.
Die Handlung kurz und knapp zusammen zu fassen ist fast unmöglich und klingt vermutlich so hanebüchen, dass ich es am liebsten umgehen würde, um mit einer simplen Inhaltsangabe niemanden abzuschrecken.
Wir befinden uns in einer Welt, die die unsere sein könnte, viele Jahre in der Zukunft. Die Zivilisation ist annähernd ausgelöscht und es gibt schon lange kaum noch Wasser und Nahrung. Die Menschen sind lange Zeit von Land zu Land, Insel zu Insel geflüchtet und schließlich sind einige wenige in einer völlig zerstörten Stadt gestrandet. Eine große Fabrik am Stadtrand hat der Katastrophe ihr übriges hinzugefügt und durch wahnsinnige Experimente Lebensformen erschaffen, die sich unkontrollierbar über die Stadt verteilen. Eine davon ist ein riesiger, schwebender Bär, der die Stadt terrorisiert und die verbliebenen Menschen in Angst und Schrecken versetzt. In dieser lebensfeindlichen Welt lebt Rachel. Sie streift jeden Tag durch die Ruinen, um Verwertbares zu finden. Auf einem ihrer Streifzüge entdeckt sie eine undefinierbare Lebensform, die sie mit in ihr Versteck nimmt und bald „Borne“ tauft. Borne verändert ständig sein Aussehen, beginnt bald zu wachsen und entwickelt eine Art menschlichen Verstand. Es bringt Rachels ohnehin wackeliges Alltagsgerüst völlig aus dem Gleichgewicht und konfrontiert sie mit der Frage, was uns zu dem macht, was wir sind, und was uns überhaupt als Menschen definiert.
Jeff Vandermeer erzählt hier nicht nur ein verrücktes Zukunftsmärchen, vielmehr ist es eine kluge Geschichte, mit philosophischen, sinnsuchenden Ansätzen. Aber natürlich ist es auch ein großes, dystopisches Science-Ficition Abenteuer, das mir sehr viel Freude bereitet hat.
Jeff Vandermeers zuvor erschienene, ebenfalls sehr lesenswerte und nicht minder verrückte „Southern Reach“-Trilogie wurde übrigens vor kurzem in Hollywood verfilmt und kommt Anfang 2018 ins Kino. Es gibt also noch ein paar weitere Leser, die Herr Vandermeer überzeugt hat.
SOG
Autor: Yrsa Sigurdardóttir
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-75664-3
Preis: 20,00 €
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (November 2017)
So hat sich Kommissar Huldar seinen Aufgabenbereich nicht vorgestellt. Während seine Kollegen Nachforschungen zum Fund zweier abgetrennter Hände anstellen, muss Huldar langwierige, unspektakuläre Arbeiten am Schreibtisch verrichten. Durch die Hebung einer Zeitkapsel ist ein mysteriöser Brief zum Vorschein gekommen. Schüler hatten in einem Aufsatz …
WeiterlesenSo hat sich Kommissar Huldar seinen Aufgabenbereich nicht vorgestellt. Während seine Kollegen Nachforschungen zum Fund zweier abgetrennter Hände anstellen, muss Huldar langwierige, unspektakuläre Arbeiten am Schreibtisch verrichten. Durch die Hebung einer Zeitkapsel ist ein mysteriöser Brief zum Vorschein gekommen. Schüler hatten in einem Aufsatz beschrieben, wie sie sich Island in zehn Jahren vorstellen. Darunter befindet sich auch eine Liste mit den Initialen zukünftiger Mordopfer. Ob dies nur ein Schülerstreich oder eine ernstgemeinte Ankündigung ist, soll Kommissar Huldar herausfinden. Als kurz darauf ein ziemlich perfider Mord passiert, ist es Huldar, der einen Zusammenhang zwischen der Liste aus der Zeitkapsel und diesem Mord sowie einem weiteren Mord an einem kleinem Mädchen vor zwölf Jahren sieht. Die Recherche zu den Briefen aus der Zeitkapsel lässt einige Schlüsse zu, auch die Psychologin Freyja, die zur Mithilfe bei der Befragung der Briefschreiber hinzugezogen wird, stößt auf ein paar Auffälligkeiten. Der Druck der Ermittler steigt sichtbar, als ein Toter mit passenden Initialen gefunden wird.
SOG ist nach DNA der zweite spannende Thriller der Isländerin Yrsa Sigurdardóttir um die Psychologin Freyja und Kommissar Huldar von der Kripo Reykjavik. Auch diesmal bekam ich beim Lesen eine Gänsehaut. Bei den Worten abgehackte Hände und Kettensäge setzte sofort mein Kopfkino ein. Dabei ist es keineswegs Yrsa die eine grausame Tat bis ins Detail beschreibt, sie schafft es nur mit Leichtigkeit, beim Leser ein schockierendes Bild hervorzurufen. Neben einem fesselnden Krimi kann der Leser zusätzlich verfolgen, wie Kommissar Huldar um Anerkennung bei seinen Teamkollegen und insbesondere bei Freyja bemüht ist. Auch ohne Vorkenntnisse aus ihrem ersten Thriller DNA ist man relativ schnell auf dem aktuellen Stand. Auch diesmal konnte man nicht ahnen, wer hinter den Morden steckt, so konnte ich nur dem Ende entgegen fiebern und voller Spannung den Thriller bis zur letzten Seite verschlingen.
Weniger anzeigenOxen - Das erste Opfer
Autor: Jens Henrik Jensen
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26158-6
Preis: 16,90 €
Buchtipp von: Rainer Francke (Oktober 2017)
Niels Oxen war dänischer Elitesoldat und mit höchsten Auszeichnungen für seine Einsätze in Afghanistan bedacht. Doch die Erlebnisse dort haben ihn zu einem psychischen Wrack gemacht, und so hat er sich von den Menschen abgeschottet und lebt mit seinem Hund Mr. White in einem Zelt in den dänischen Wäldern. Doch plötzlich wird er zum …
WeiterlesenNiels Oxen war dänischer Elitesoldat und mit höchsten Auszeichnungen für seine Einsätze in Afghanistan bedacht. Doch die Erlebnisse dort haben ihn zu einem psychischen Wrack gemacht, und so hat er sich von den Menschen abgeschottet und lebt mit seinem Hund Mr. White in einem Zelt in den dänischen Wäldern.
Doch plötzlich wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. In einem Schloss in der Nähe seiner Behausung wurde der ehemalige Botschafter und politische Strippenzieher Hans- Otto Corfitzen zu Tode gefoltert, und schnell gilt Oxen als möglicher Täter. Auch für den dänischen Geheimdienst, doch dessen kluge Mitarbeiterin Margrethe Franck hat da so ihre Zweifel. Zu undurchsichtig sind ihr nämlich das Wirken Corfitzens und seine Verbindung zu einem dänischen Geheimbund, dem „Danehof“; zu offensichtlich, dass Oxen das Bauernopfer sein soll.
Oxen und Franck müssen sich zusammentun und auf eigene Faust ermitteln, gegen einen mächtigen Apparat und die Verbindungen des „Danehof“ …
Ein wirklich fesselnder Thriller mit starken Figuren, temporeich, mit unerwarteten Wendungen: der erste Teil einer Trilogie macht neugierig auf die folgenden Bände. Leider muss der Leser bis zum zweiten Fall ein halbes Jahr Geduld aufbringen …
Cambridge 5 - Zeit der Verräter
Autor: Hannah Coler
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2682-2
Preis: 19,99 €
Buchtipp von: Stefan Decken (Oktober 2017)
Bis heute ist die Universität von Cambridge ein Ort der Geheimdienste. Tatsächlich wurden die berühmtesten Spione des 20. Jahrhunderts von den Sowjets bzw. von den Russen in Cambridge rekrutiert. In den 1930er Jahren konnten die Studenten Kim Philby, Anthony Blunt, Donald Maclean, Guy Burgess und John Cairncross den Anwerbeversuchen der …
WeiterlesenBis heute ist die Universität von Cambridge ein Ort der Geheimdienste. Tatsächlich wurden die berühmtesten Spione des 20. Jahrhunderts von den Sowjets bzw. von den Russen in Cambridge rekrutiert. In den 1930er Jahren konnten die Studenten Kim Philby, Anthony Blunt, Donald Maclean, Guy Burgess und John Cairncross den Anwerbeversuchen der kommunistischen "Unterhändler" nicht widerstehen. Offiziell arbeiteten sie für den britischen Geheimdienst, tatsächlich verrieten sie alle geplanten Operationen nach Moskau. Sie wurden die legendären 'Cambridge Five'. Ihr Verrat ist ein immer noch schwelendes Trauma der britischen Gesellschaft. Sie lieferten auch die Blaupause für den zentralen Plot unzähliger Spionageromane – die Suche nach dem sogenannten Maulwurf – wie er sich seit John le Carré's Smiley-Romanen etabliert hat.
Über siebzig Jahre später: Der Geschichtsprofessor Hunt kennt die Machenschaften der Fünf nur zu gut, vielleicht deshalb interessiert er sich so für die Promotion der deutschen Studentin Wera, die fasziniert ist von der ehemaligen Spionagegruppe und die Person Kim Philby in den Mittelpunkt ihrer Abschlussarbeit stellen will. Dann wird Hunt in einen Mordfall verwickelt. Hat er etwas zu verbergen? Und welche Rolle spielt Wera wirklich? ...
Hannah Coler ist das Pseudonym einer deutschen Historikerin. Sie hat in Cambridge Geschichte studiert und später an zahlreichen Dokumentarsendungen des ZDF und der BBC mitgewirkt. "Cambridge 5" ist ihr erster Roman, in dem sie geschickt Wahrheit und Fiktion mischt und zu einem äußerst spannenden Plot verarbeitet.
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Autor: Zadie Smith
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04947-3
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Anne Simon (Oktober 2017)
Erneut war Zadie Smith in diesem Jahr auf der Longlist des Man Booker Prizes zu finden. Grund genug, endlich eines ihrer Werke zu lesen. „Swing Time“ ist vor kurzem in deutscher Übersetzung erschienen und erzählt zunächst von der Freundschaft zweier Mädchen, die auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten haben: „Wir hatten beide den identischen …
WeiterlesenErneut war Zadie Smith in diesem Jahr auf der Longlist des Man Booker Prizes zu finden. Grund genug, endlich eines ihrer Werke zu lesen. „Swing Time“ ist vor kurzem in deutscher Übersetzung erschienen und erzählt zunächst von der Freundschaft zweier Mädchen, die auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten haben: „Wir hatten beide den identischen Braunton, als hätte man ein Stück hellbraunen Stoff durchgeschnitten, um uns beide daraus zu machen, …“. Tracey hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater. Bei der Ich-Erzählerin ist es genau umgekehrt. Beide kommen aus einfachen Verhältnissen, leben in benachbarten Sozialsiedlungen. Die zwei kleinen Mädchen begegnen sich zum ersten Mal im Ballettunterricht der Kirchengemeinde, lassen sich von da an nicht mehr aus den Augen und verbringen jede freie Minute miteinander. Beide verbindet die Liebe zum Tanz. Nach der Schule schauen sie stundenlang alte Tanzfilme, prägen sich jeden Schritt und jede Drehung ein.
Ganz zum Leidwesen der Mutter der namenlosen Ich-Erzählerin. Sie ist ehrgeizig, politisch interessiert, studiert und ambitioniert, dass sie und ihre Tochter es mit Bildung raus aus der Arbeiterklasse in die Mittelschicht schaffen. Da ist die kleine Tracey mit ihrer prolligen Mutter und dem kleinkriminellen Vater ein potentieller Stolperstein.
Zunächst lassen sich die Mädchen davon kaum irritieren. Doch mit den Jahren wird der Kontakt weniger. Tracey, immer schon die talentiertere der beiden, wird tatsächlich professionelle Tänzerin. Ihre Freundin hingegen reist als persönliche Assistentin einer berühmten Sängerin durch die Welt.
Aber „Swing Time“ ist nur auf den ersten Blick die schlichte Geschichte einer Freundschaft.
Zugleich ist es eine Geschichte des Tanzes. Von der Erfindung des Stepptanzes, über die Glanzzeit des Tanzfilmes und schließlich bis zu Michael Jacksons spektakulären Choreographien in seinen Musikvideos, lassen wir uns von der Begeisterung der Mädchen mitreissen.
Und “Swing Time“ ist auch ein moderner Bildungsroman. Zadie Smith erzählt leichtfüßig vom Leben und Erwachsenwerden der Mädchen und gleichzeitig seziert sie die Welt um uns herum. Philosophiert was Herkunft bedeutet, ob es so etwas wie Chancengleichheit gibt und ob die Zeit die Dinge ändert. Niemals gibt sie sich dabei mit einfachen Antworten zufrieden. Ihr kommt es immer auf den Blickwinkel an „Ich will aufzeigen, wie es aussieht, alle Gedanken an Bord zu nehmen, die Meinung des anderen nicht nur zu respektieren, sondern aufrichtig zu überdenken, ihren möglichen Wert zu überprüfen.“ (Zitat spiegel.de)
Den Man Booker Prize hat sie nicht gewonnen. Aber dafür einen neuen Fan.
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