Unsere Empfehlungen
Ein Samstag im August
Autor: Birgit Bachmann
Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-76364-1
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Rainer Francke (September 2026)
Auf der Rückreise aus dem Urlaub nimmt ein Ehepaar, Elvira und Jobst, ein Pärchen mit, das eine Autopanne hat. Irgendwie erinnern die zwei jüngeren Menschen sie an sich selbst als Paar in jüngeren Jahren. Doch falsch: Die jungen Menschen sind eigentlich längst getrennt und zum Verdruss des Mannes unterwegs zu einer Familienfeier, bei der die junge …
WeiterlesenAuf der Rückreise aus dem Urlaub nimmt ein Ehepaar, Elvira und Jobst, ein Pärchen mit, das eine Autopanne hat. Irgendwie erinnern die zwei jüngeren Menschen sie an sich selbst als Paar in jüngeren Jahren.
Doch falsch: Die jungen Menschen sind eigentlich längst getrennt und zum Verdruss des Mannes unterwegs zu einer Familienfeier, bei der die junge Frau unbedingt der Erwartungshaltung ihres Vaters an sie als perfekte Tochter entsprechen will und heile Welt vorspielen.
Elvira und Jobst werden spontan mit zur Feier eingeladen, denn es hat sich herausgestellt, dass sie und die Eltern der jungen Frau im gleichen Ort wohnen. Und Elvira, Lehrerin, entdeckt, dass sie die Familie aus der Schule kennt. Und Jobst, Staatsanwalt, wird gar nicht mehr so herzlich behandelt, als sein Beruf bekannt wird.
Und plötzlich müssen zwei Familien sich neu vermessen und neu entdecken. Und die, die ehrlich zu sich selbst zu sein versuchen, finden einen neuen Weg.
Hintergründig; überzeugende, sich selbst entwickelnde Protagonisten; die Stimmung eines schwülen Spätsommers: sehr lesenswerter erster Roman der Autorin, absolut gelungen.
Ist doch schön hier
Autor: Miriam Burdelski
Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-801-0
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Stefan Decken (September 2026)
Liesel jobbt nach ihrem Schulabschluss in einer Autowaschanlage. Richtige Zukunftspläne hat sie nicht. Sie lebt mit ihrer Mutter, lethargisch, arbeitslos, alkoholabhängig, in einer engen Mietwohnung. Es gibt nur einen Menschen, der für Liesel zählt, und das ist ihre Großmutter Emmi. Die wiederum wird zunehmend dement, jeden Tag verschwinden mehr …
WeiterlesenLiesel jobbt nach ihrem Schulabschluss in einer Autowaschanlage. Richtige Zukunftspläne hat sie nicht. Sie lebt mit ihrer Mutter, lethargisch, arbeitslos, alkoholabhängig, in einer engen Mietwohnung. Es gibt nur einen Menschen, der für Liesel zählt, und das ist ihre Großmutter Emmi. Die wiederum wird zunehmend dement, jeden Tag verschwinden mehr ihrer Erinnerungen. Als sie sich immer öfter nach ihrem alten Zuhause in Ostpreußen sehnt, fasst Liesel einen wagemutigen Entschluss: sie will für und mit Emmi in deren Heimat reisen.
Und so beginnt ein aberwitziger Roadtrip. Reisende in einem alten Lada sind Emmi, Liesel und Jascha, ein sehr junger polnischer Altenpfleger, obercool und deshalb sehr gelassen. Schaffen sie es bis nach Ostpreußen? Wie reagiert Emmi auf die neuen alten Eindrücke? Nimmt sie sie überhaupt wahr? Und Liesel? Je weiter die Fahrt nach Osten geht, kommt sie ihrer eigenen Vergangenheit näher und spürt, dass Heimat nicht nur ein Ort auf der Landkarte ist, sondern sich über die Menschen definiert, die bleiben, wenn alles andere verschwindet.
Der erste Roman von Miriam Burdelski: Bewegend, trotz der ernsten Themen zuversichtlich und hoffnungsvoll, und immer wieder mit Passagen voll herrlicher Situationskomik und trockenem Humor!
Weniger anzeigenWeiterleben
Autor: Patrick Charnley
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-7558-0050-7
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Anne Simon (September 2026)
Jago war 40 Minuten klinisch tot, seitdem funktioniert sein Kopf nicht mehr wie bisher. Alles ist zu laut, zu schnell, zu viel. Körper und Geist sind durchgehend überfordert und erschöpft, weshalb sein bisheriges Leben, allein in Bristol, nicht mehr möglich ist. So lebt er seitdem wieder in der alten Heimat in Cornwall, abgeschieden und ohne …
WeiterlesenJago war 40 Minuten klinisch tot, seitdem funktioniert sein Kopf nicht mehr wie bisher. Alles ist zu laut, zu schnell, zu viel. Körper und Geist sind durchgehend überfordert und erschöpft, weshalb sein bisheriges Leben, allein in Bristol, nicht mehr möglich ist. So lebt er seitdem wieder in der alten Heimat in Cornwall, abgeschieden und ohne Strom, auf dem Hof seines Onkels Jacob. Der Alltag ist so reizreduziert wie nirgends sonst. Kühe melken, Zäune reparieren, Ausritte am Meer, Jago lebt ganz im Hier und Jetzt - allein schon deshalb, weil sein Kurzzeitgedächtnis ihn regelmäßig im Stich lässt. So führt er ein gezwungenermaßen achtsames Leben. Ein gutes Leben, dass genau so bleiben könnte. Wäre da nicht ein Nachbar, der mit seinen kriminellen Machenschaften den Frieden stört.
Jago sieht keine andere Möglichkeit, als sich ganz auf sein angeschlagenes Selbst zu verlassen und sich durch Nachforschungen in Gefahr zu bringen. Um den einzigen Ort zu schützen, an dem er weiterleben kann.
Jagos gesundheitlicher Zustand beruht auf den Erlebnissen des Autors. Patrick Charnley hatte selbst einen 40-minütigen Herzstillstand. Zu erfahren, wie das Leben sich danach gestaltet, mit welchen Einschränkungen, aber auch neuen Erkenntnissen er seitdem lebt, ist für uns als Lesende interessant und bereichernd.
Die Bernsteinfischerin
Autor: Lisa Quentin
Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 978-3-352-01027-9
Preis: 22,00 €
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (September 2026)
Ebba ist mit Salzwasser in den Adern auf die Welt gekommen und glücklich, wenn sie ihren Vater beim Bernsteinfischen begleiten darf. Diesmal findet die Achtjährige nach einer Sturmnacht einen außergewöhnlichen Stein, den sie allerdings vor ihrem Vater versteckt, weil alle Steine beim Kontrolleur abgegeben werden müssen. Diesen Stein will sie aber …
WeiterlesenEbba ist mit Salzwasser in den Adern auf die Welt gekommen und glücklich, wenn sie ihren Vater beim Bernsteinfischen begleiten darf. Diesmal findet die Achtjährige nach einer Sturmnacht einen außergewöhnlichen Stein, den sie allerdings vor ihrem Vater versteckt, weil alle Steine beim Kontrolleur abgegeben werden müssen. Diesen Stein will sie aber ihrem besten Freund Leo zeigen.
Jahrzehnte später landet ein Stück des Bernsteines bei Julika im Frankfurter Forschungslabor. Julika, die in ihrer Freizeit ihre kranke Mutter pflegt, ist begeistert. Noch nie wurde in baltischem Bernstein eine Rhopalosomatiden-Wespe gefunden. Da es solch eine Inkluse eigentlich nicht an der Ostsee gibt, fängt Julika an zu forschen und trifft auf Ebba. Die 90-jährige Ebba lebt inzwischen in Niendorf an der Ostsee und begegnet ihr ziemlich abweisend.
Zwei Frauen, zwei bewegende Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten. Vergangenheit und Gegenwart rücken langsam zusammen und haben dabei die Themen Verlust und Neuanfang im Gepäck. Sehr anschaulich wird von Ebbas Zeit in Niendorf erzählt, die Entwicklung des Ortes nach 1949, als die Eltern dort eine Pension eröffnen. Die Zeit nagte nicht nur an der Steilküste.
Eine empathische Familiengeschichte, in der die Autorin auch sehr atmosphärisch vom fossilen Harz erzählt. Wer schon einmal Bernstein am Ostseestrand gefunden oder gesucht hat, wird die Geschichte um den Bernstein lieben und die Faszination teilen.
Das dreiste Schweigen meines Kühlschranks
Autor: Caro Reichl
Verlag: Leykam
ISBN: 978-3-7011-8416-3
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Leo Dahl (September 2026)
Rosa ist schwanger und trifft sich mit ihrer besten Freundin Almut, um ihr die guten Neuigkeiten zu berichten. Sie sitzen am Spielplatz auf einer Bank und schauen Almuts kleinem Sohn beim Buddeln im Sandkasten zu, als Rosa sich nicht mehr zurückhalten kann und damit herausplatzt. Doch anstatt Glückwünsche auszusprechen und die Vorfreude zu teilen …
WeiterlesenRosa ist schwanger und trifft sich mit ihrer besten Freundin Almut, um ihr die guten Neuigkeiten zu berichten. Sie sitzen am Spielplatz auf einer Bank und schauen Almuts kleinem Sohn beim Buddeln im Sandkasten zu, als Rosa sich nicht mehr zurückhalten kann und damit herausplatzt. Doch anstatt Glückwünsche auszusprechen und die Vorfreude zu teilen wird Almut ganz still. Rosa könne mit ihrem Mann kein Kind bekommen, Rosas Mann ist ein Monster und sie sollte ihr Kind, wenn es auf der Welt ist, ganz fernhalten von ihrem Mann. Auf Rosas Verwirrung rückt Almut mit der Sprache raus. Ihr Sohn, Oscar-Johannes, hat ihr erzählt, dass Rosas Mann ihn angefasst hat.
Rosa streitet es ab, da sie sich nie vorstellen könnte, dass ihr Mann, den sie schon so lange kennt und so sehr liebt, etwas so Schreckliches getan haben könnte. Nein, der kleine Oscar-Johannes muss sich vertan haben, oder er hat es sich ausgedacht. Rosas Mann behauptet, dass Almut diejenige ist, die lügt, da sie schon immer neidisch auf ihre Beziehung gewesen ist, als Rosa ihn konfrontiert. Er streitet alles ab, doch wem glaubt Rosa nun, denn keiner von beiden kann Beweise vorbringen…
Also erzählt Rosa ihre Geschichte, wie sie Almut kennenlernte und später ihren Mann. Und man beginnt einiges zu verstehen.
Ein Roman, der die Konversation der Opfer über die Frage der Täter stellt.
Weniger anzeigenAll die Farben, all das Licht
Autor: Cora Wucherer
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-96704-3
Preis: 25,00 €
Buchtipp von: Rainer Francke (August)
Juna und Martha sind Schwestern, 17 bzw. 13 Jahre alt, und ihre Beziehung untereinander ist nicht unkompliziert. Klar, einerseits wegen des Altersunterschieds, andererseits steht Martha oft im Schatten der Älteren und möchte gerne eigenständig wahrgenommen werden. Junas größter Wunsch ist Künstlerin zu werden wie die von ihr bewunderte Lotte …
WeiterlesenJuna und Martha sind Schwestern, 17 bzw. 13 Jahre alt, und ihre Beziehung untereinander ist nicht unkompliziert. Klar, einerseits wegen des Altersunterschieds, andererseits steht Martha oft im Schatten der Älteren und möchte gerne eigenständig wahrgenommen werden.
Junas größter Wunsch ist Künstlerin zu werden wie die von ihr bewunderte Lotte Laserstein. Doch dieser Traum ist bedroht, als sie von der seltenen Augenkrankheit erfährt, die sie betroffen hat und zum Verlust des Sehvermögens führen kann.
In dieser Situation ergreift die 13-jährige eine unglaubliche Initiative und organisiert eine heimliche Reise der beiden Schwestern nach Malmö, wo die Künstlerin mit einer Ausstellung geehrt wird. Eine Roadnovel beginnt, und dass dabei viel, wenn nicht alles schiefgehen kann, ist eigentlich klar …
Und gleichzeitig verändert sich durch die Reise die Beziehung der Schwestern. Beide lernen mühsam, dass Pläne scheitern können und Wege ins Glück oft nicht gerade Autobahnen sind.
Ein berührender Debütroman über Geschwister, über Kunst, über Durchhaltevermögen – mit einer wirklich wunderbaren Covergestaltung!
Tage am Fluss
Autor: Jochen Mariss
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-01367-2
Preis: 23,00 €
Buchtipp von: Stefan Decken (August 2026)
Ein heißer Sommer irgendwo in Norddeutschland: Sara betreibt eine kleine Fähre, die ihr Dorf mit der nur wenige Kilometer entfernten Stadt verbindet. Sie lebt mit Hühnern, drei Schafen und ihrer Hündin auf einem abgelegenen Hof direkt am Fluss. Eines Tages taucht auf ihrer Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf. Leon wird von der …
WeiterlesenEin heißer Sommer irgendwo in Norddeutschland: Sara betreibt eine kleine Fähre, die ihr Dorf mit der nur wenige Kilometer entfernten Stadt verbindet. Sie lebt mit Hühnern, drei Schafen und ihrer Hündin auf einem abgelegenen Hof direkt am Fluss.
Eines Tages taucht auf ihrer Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf. Leon wird von der Polizei gesucht, denn er hat an einer Waldbesetzung teilgenommen, die ein wenig außer Kontrolle geraten ist.
Sara stellt keine Fragen, verarztet ihn und versteckt ihn bei sich. Er darf bleiben, wenn er auf dem Hof hilft. Beim Scheren der Schafe, bei der Reparatur von Stall und Scheune, beim Sensen der Obstwiese. Während der gemeinsamen Arbeit kommen sie sich näher - die wortkarge Sara, der lebhafte, radikale Leon. Sie teilen die Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Eine geplante Brücke über den Fluss droht Saras Existenz zu vernichten. Ihr Protest führt zu Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf. Und dann beenden heftige Regenfälle die wochenlange Dürre - der Fluss tritt über die Ufer ...
"Dieser Roman ist wie ein Fluss: mal sanft und liebevoll, mal wild und unberechenbar - aber immer mitreißend und bewegend." (Alina Bronsky)
Was wir von ihr wissen
Autor: Rebecca Fallon
Verlag: mareverlag
ISBN: 978-3-86648-752-9
Preis: 25,00 €
Buchtipp von: Anne Simon (August 2026)
Als Susan stirbt sind ihre beiden Kinder Sebastian und Viola erst sieben Jahre alt. Sie wissen noch nicht viel über das Leben und ahnen kaum was es bedeutet, dass ihre Mutter nicht nur Mutter, sondern auch Schauspielerin war. Al, Susans Ehemann und Vater der Zwillinge, kommt dieser Umstand sehr gelegen. Schließlich hat er noch nie viel von Susans …
WeiterlesenAls Susan stirbt sind ihre beiden Kinder Sebastian und Viola erst sieben Jahre alt. Sie wissen noch nicht viel über das Leben und ahnen kaum was es bedeutet, dass ihre Mutter nicht nur Mutter, sondern auch Schauspielerin war. Al, Susans Ehemann und Vater der Zwillinge, kommt dieser Umstand sehr gelegen. Schließlich hat er noch nie viel von Susans Beruf gehalten, mit dem er immer in direkter Konkurrenz um ihre Aufmerksamkeit buhlen musste. Susan war nicht irgendeine Schauspielerin, sondern der Star einer bekannten Fernsehserie in Los Angeles und somit meist mit Dreharbeiten beschäftigt - nur am Wochenende bleibt Zeit für Mann und Kinder in New England.
Wenigstens im Nachhinein will Al seine Frau nun nicht mehr teilen müssen und beschließt, alle Hinweise auf ihre Karriere aus dem Leben der Kinder zu tilgen.
Doch Kinder werden älter und schließlich, als junge Erwachsene, beginnen Sebastian und Viola Nachforschungen zu betreiben und ihre eigenen Fragen zu stellen. Was bedeutet dieser neue Blickwinkel auf das Leben ihrer Mutter für ihre Leben und das Verfolgen ihrer eigenen Träume?
„Was wir von ihr wissen“ ist angesiedelt zwischen den 1980ern und den 2010er Jahren. Beim Lesen hatte ich allerdings oft eher 50er Jahre Kulissen vor Augen. Ob das nur am hübschen Cover (Elliot Erwins „California“) liegt oder daran, dass sich an den von uns zutiefst verinnerlichten traditionellen Rollenklischees bis heute nur wenig geändert hat? In jedem Fall wagt Rebecca Fallon in ihrem Romandebüt ein interessantes Gedankenexperiment und gibt uns so die Frage an die Hand, wer die Deutungshoheit über das Leben (einer Frau) hat. Wer bestimmt, welches die richtigen Entscheidungen sind und welche Entbehrungen angemessen?
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