Unsere Empfehlungen
Der andere Arthur
Autor: Liz Moore
Verlag: Beck
ISBN: 978-3-406-84333-4
Preis: 26,00 €
Buchtipp von: Rainer Francke (Mai 2026)
Arthur Opp war Literaturdozent, immer schon ein wenig eigenbrötlerisch, und nach einem Zwischenfall hat ihn seine Uni nicht mehr beschäftigt. Seitdem lebt er allein in seinem großen Haus in Brooklyn, das immer mehr verwahrlost und das er auch schon lange nicht mehr verlassen hat. Weil er sich kaum noch bewegt, wiegt er mittlerweile 250 kg – und …
WeiterlesenArthur Opp war Literaturdozent, immer schon ein wenig eigenbrötlerisch, und nach einem Zwischenfall hat ihn seine Uni nicht mehr beschäftigt. Seitdem lebt er allein in seinem großen Haus in Brooklyn, das immer mehr verwahrlost und das er auch schon lange nicht mehr verlassen hat. Weil er sich kaum noch bewegt, wiegt er mittlerweile 250 kg – und das isoliert ihn zusätzlich. Seine einzigen Kontakte sind Lieferdienste und ab und an jemand zum Saubermachen.
Nicht weit entfernt lebt der Sohn einer ehemaligen Studentin. Deren Lebensentwurf ist ähnlich gescheitert wie der von Arthur, doch der Wille, dass es ihrem Sohn besser ergehen solle als ihr selbst, bringt sie dazu, Kontakt zu ihrem ehemaligen Lehrer aufzunehmen: vielleicht kann Arthur ihrem Jungen, Kel, zum Schulabschluss und womöglich sogar zu einem Sportstipendium verhelfen. Sie ahnt nichts von Arthurs derzeitiger Verfassung – und er nicht von ihrer …
Ein hoffungsvoller und trauriger Roman zugleich über zerbrochene Lebensentwürfe; darüber, dass und wie man Herausforderungen annehmen kann und dass Empathie und Freundschaft wichtiger sind als manches Materielle – tolle Literatur aus einem anderen Amerika, das es trotz der gegenwärtigen Politik immer gegeben hat und hoffentlich gibt.
Das Spiel
Autor: Aisling Rawle
Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-76325-2
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Stefan Decken (Mai 2026)
Lily wacht zusammen mit neun anderen jungen Frauen in einer künstlichen Wohnanlage mitten in der Wüste auf. Bald treffen zehn Männer ein - falls sie den Marsch zu Fuß durch die Wüste überleben. Sie sollen sich zu Paaren zusammentun, jeweils eine Frau und ein Mann. Alle sind jung und schön, alle wollen der echten Welt eine Zeit lang entfliehen. …
WeiterlesenLily wacht zusammen mit neun anderen jungen Frauen in einer künstlichen Wohnanlage mitten in der Wüste auf. Bald treffen zehn Männer ein - falls sie den Marsch zu Fuß durch die Wüste überleben. Sie sollen sich zu Paaren zusammentun, jeweils eine Frau und ein Mann. Alle sind jung und schön, alle wollen der echten Welt eine Zeit lang entfliehen. Unzählige Kameras übertragen jede Bewegung, unsichtbare Producer geben Anweisungen und stellen Regeln auf, denen unbedingt Folge geleistet werden soll. Allzu gut ausgestattet ist das Haus zu Beginn noch nicht, aber das kann sich ändern. Wenn die Kandidaten Gruppenaufgaben erfüllen, die mal banal wirken – die Frage, wann habt ihr zum ersten Mal jemanden geküsst? soll beantwortet werden – aber schnell auch härter werden: "Werft eine Person vom Anwesen"…
Nach und nach lichtet sich das Teilnehmerfeld, wie man das aus Reality-Formaten kennt (Big Brother lässt grüßen!), offenbaren sich unterschiedliche Charaktere, formen sich Allianzen und Aversionen. Erzählt wird das alles aus der Perspektive von Lily, einer etwas schlichten jungen Frau, die im wirklichen Leben in einem Kaufhaus arbeitet und Make-Up verkauft.
Das Spiel wird offenbar zur Belustigung der Bevölkerung inszeniert und immer wieder mit neuen Kandidaten neu gestartet. Von der Bevölkerung, dem Leben außerhalb der Anlage, erfahren wir allerdings nichts. Denn über die Außenwelt dürfen die Kandidaten nicht sprechen. Immer wieder streut Rawle jedoch Hinweise ein, die eine dystopische nahe Zukunft suggerieren, eine Welt, die von Umweltkatastrophen geplagt wird, in der Waldbrände drohen, die meisten Menschen nur noch arbeiten, um zu überleben.
Eine Portion "Die Tribute von Panem", eine Portion "Herr der Fliegen", ein wenig "Dschungelcamp": Der erste Roman der jungen irischen Autorin Aisling Rawle verknüpft geschickt Gesellschaftssatire und Dystopie. Spannend, klug komponiert und sehr unterhaltsam!
Weniger anzeigenMord in der Pension Möwennest
Autor: Jess Kidd
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-7558-0067-5
Preis: 18,00 €
Buchtipp von: Anne Simon (Mai 2026)
Eine heruntergekommene Pension an der Nordwestküste Englands, Gäste, die mehr als ein Geheimnis haben, eine ehemalige Nonne als Ermittlerin, ein Chief Inspector, der im Dunkeln tappt, jede Menge Kaninchen, und schließlich auch mehr als eine Leiche. Das sind die Hauptbausteine, aus denen „Mord in der Pension Möwennest“, der Auftakt zur Reihe um …
WeiterlesenEine heruntergekommene Pension an der Nordwestküste Englands, Gäste, die mehr als ein Geheimnis haben, eine ehemalige Nonne als Ermittlerin, ein Chief Inspector, der im Dunkeln tappt, jede Menge Kaninchen, und schließlich auch mehr als eine Leiche. Das sind die Hauptbausteine, aus denen „Mord in der Pension Möwennest“, der Auftakt zur Reihe um Ex-Nonne Nora Breen, besteht.
Als Nora Breen an der Küste von Gore-on-Sea im Nordwesten Englands ankommt, genießt sie den Wind und die kühle Seeluft und bemerkt erstmals, wie sehr sie das Meer in all der Zeit vermisst hat. Dreißig Jahre ist es her, dass sie zuletzt an der Küste gewesen ist. Drei Jahrzehnte hat sie als Ordensschwester im Kloster gelebt, bis ihr die immer wiederkehrende Routine, das tägliche Gebet und die Ordenstracht nicht mehr genug waren. Nun hat Miss Breen, vormals Schwester Agnes, die Klostermauern für immer hinter sich gelassen und eine erste Bleibe in der Pension Möwennest gefunden. Hier lebte auch eine ehemalige Novizin und Freundin Noras, die ihr nach dem Verlassen des Klosters regelmäßig schrieb. Doch plötzlich bleiben die Briefe aus und Nora versucht, dem Verschwinden der Freundin auf die Spur zu kommen.
Die Pension selbst und ihre Bewohner bieten ihr mehr als ausreichend Ansätze für eine interessante Ermittlung. Die Gäste sind alle kauzig bis dubios, die Hauswirtschafterin führt ein strenges Regime, die Besitzerin des Hauses scheint nicht von dieser Welt und deren kleine Tochter spukt schweigend durch die Gänge. Und was hat es mit all den Kaninchen auf sich, die das Gelände zu Dutzenden bevölkern?
Als schließlich einer der Gäste tot aufgefunden wird, kommen die Geschehnisse richtig in Fahrt, und Nora hat gleich zwei Fälle zu lösen.
Die englische Küste, ein überschaubarer Handlungsort und eine Handvoll Verdächtiger, alles angesiedelt in den 50er Jahren. All das wirkt doch sehr cosy und auch ein bisschen Agatha Christie schwingt mit. Und so kann man „Mord in der Pension Möwennest“ auch lesen. Doch wer Autorin Jess Kidd kennt, der weiß, dass ihre Bücher immer etwas Besonderes sind. Ein bisschen mehr Fantasie, Humor und Spleen. Auch die Reihe um die gescheiterte Nonne Nora Breen ist eine echte Jess Kidd - wie immer, ein ganz großes Vergnügen.
Weniger anzeigenSommer auf Perigo Island
Autor: Perry Chafe
Verlag: mareverlag
ISBN: 978-3-86648-720-8
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Mai 2026)
Die eigentliche Geschichte spielt im Sommer 1991 auf Perigo Island, einer Insel vor der Ostküste Neufundlands. Vor drei Jahren kehrte Pierces Vater vom Fischfang nicht mehr nach Hause zurück. Nachdem auch die Küstenwache die Suche aufgegeben hatte, beschloss Pierce, mit dem Schnellboot seines Onkels die Suche allein fortzusetzen. Doch eine …
WeiterlesenDie eigentliche Geschichte spielt im Sommer 1991 auf Perigo Island, einer Insel vor der Ostküste Neufundlands. Vor drei Jahren kehrte Pierces Vater vom Fischfang nicht mehr nach Hause zurück. Nachdem auch die Küstenwache die Suche aufgegeben hatte, beschloss Pierce, mit dem Schnellboot seines Onkels die Suche allein fortzusetzen. Doch eine plötzliche Angst vor dem Meer und vielleicht auch die etwas ältere Anna Tessier hielten den damals 9-jährigen Pierce davon ab.
Jetzt, drei Jahre später, die Angst vor dem Meer ist Pierce geblieben, verschwindet Anna Tessier spurlos. Pierce trifft es besonders schlimm, denn seit damals hat er so etwas wie eine geheime Verbindung zu ihr. Sie war die einzige, mit der er über seine Ängste über das offene Meer gesprochen hat. Schnell ist ihm klar, dass er Anna suchen muss. Zusammen mit seinen zwei besten Freunden Thomas und Bennie und dessen Cousine will er in das Haus des geheimnisvollen Salomon einsteigen, da sie glauben, dass Anna dort festgehalten wird oder ihr dort gar Schlimmeres passiert ist.
Der alleinlebende 60-jährige Salomon wohnt erst seit 6 Monaten auf der Insel und machte sich schon mehrmals den Jungs gegenüber durch seine eigenbrötlerische und mysteriöse Art verdächtig.
Die Geschichte wird von dem Jungen Pierce erzählt. Sie handelt von einer einzigartigen Freundschaft und Verbundenheit. Erzählt, wie Pierce und seine Mutter den schweren Verlust verarbeiten und ist gleichzeitig ein wunderbarer Familienroman. Sogar Krimifans kommen auf ihre Kosten, wenn die Freunde auf der Suche nach Anna unterwegs sind. Das Ganze wird von einer eindrucksvollen Landschaft untermalt, man hört förmlich die Wellen im Hafen.
Ein Abenteuerroman, aber auch ein Coming-of-Age-Roman, warmherzig und spannend zugleich und mit einem überraschenden Ende. Ein Buch, das man mit einem wohligen Seufzer schließt.
Medusa in Paradise
Autor: Laura Melina Berling
Verlag: Leykam
ISBN: 978-3-7011-8397-5
Preis: 25,00 €
Buchtipp von: Leo Dahl (Mai 2026)
'Alles auf Anfang, alles neu, alles besser. Was würdest du in der Welt ändern, wenn du die Wahl hättest? Viele würden sagen: „Natürlich das Patriarchat abschaffen!“ Doch wie einfach ist das wirklich, wenn man selbst in einem patriarchalen System aufgewachsen ist? Worauf muss man alles achten? Und was kommt stattdessen? Das Matriarchat? Nein, denn …
Weiterlesen'Alles auf Anfang, alles neu, alles besser. Was würdest du in der Welt ändern, wenn du die Wahl hättest? Viele würden sagen: „Natürlich das Patriarchat abschaffen!“ Doch wie einfach ist das wirklich, wenn man selbst in einem patriarchalen System aufgewachsen ist? Worauf muss man alles achten? Und was kommt stattdessen? Das Matriarchat? Nein, denn dann würde man ja das binäre Geschlechtersystem aufrechterhalten, was mittlerweile wirklich veraltet ist. Und überhaupt müssen wir zuerst mal nach Konsens fragen! Möchtest du das hier überhaupt?'
20 Frauen landen nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen, tropischen Insel. Keine Männer in Sicht. Oder…?
Cara erinnert sich nicht mehr an ihren Namen oder an ihr Leben vor dem Absturz. Anne möchte ihr helfen, denn sie ist Krankenschwester (nein, Moment, es heißt Krankenpfleger:in, oder?), aber Siri ist ganz sicher: Anne muss erst nach Konsens fragen!
Kurzerhand bekommt Cara einen neuen Namen, ist aber trotzdem noch so verwirrt wie vorher, denn anstatt sich zu organisieren, den Inhalt der gefundenen Koffer zu verteilen und Schlafplätze aufzubauen, verlieren sich alle immer wieder in Diskussionen.
Haben alle auch ihre Pronomen genannt bei der Vorstellungsrunde? Aber müssen sie das überhaupt, wenn so wie so alle Frauen sind? Sind denn überhaupt alle Frauen? Kann man vom Äußeren auf das Geschlecht schließen und was ist überhaupt eine Frau?
All das wächst Cara schnell über den Kopf, obwohl sie doch nur versucht alles richtig zu machen, und niemanden zu verletzen.
Das Essen wird langsam knapper, waschen würde Cara sich auch gerne mal wieder, und dann hören sie auf einmal Schreie von einem Mann aus dem Wald. (Oder einer Person, denn wir können nicht wissen, dass es ein Mann ist!)
Werden alle überleben und noch viel wichtiger: Werden sie wieder nach Hause kommen?
Ein unheimlich ulkiger Roman, den alle lesen sollten, die sich schonmal als Feminist:in bezeichnet haben. (Und alle anderen eigentlich auch.)
Letzter Akt
Autor: Andreas Schäfer
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-8321-8183-3
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Rainer Francke (April 2026)
Die Schauspielerin Dora, um die 40, kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt und arbeitet aber schon lange in England. Dort hat sie in einer bekannten Fernsehserie in einer Rolle als junge Deutsche nach Kriegsende in Großbritannien eine große Bekanntheit erreicht. So berühmt ist sie, dass sie ihr Gesicht oft hinter einer Sonnenbrille verstecken …
WeiterlesenDie Schauspielerin Dora, um die 40, kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt und arbeitet aber schon lange in England. Dort hat sie in einer bekannten Fernsehserie in einer Rolle als junge Deutsche nach Kriegsende in Großbritannien eine große Bekanntheit erreicht. So berühmt ist sie, dass sie ihr Gesicht oft hinter einer Sonnenbrille verstecken muss – und gleichzeitig so frei, dass sie sich traut, in London im Theater zu spielen, und zwar in einer Strindberg-Inszenierung.
Bei der Premierenfeier in einer Bar trifft sie auf den Maler Victor. Sie ist von ihm beeindruckt: scheinbar kennt er sie nicht, hat nie von ihr gehört.
Sie beginnen eine Beziehung, die rasch tiefer wird. Sie ist gerne in seinem Cottage, doch stellt sie fest, dass er sie noch nie auf der Bühne gesehen hat und sie auch keines seiner Bilder kennt. Um noch vertrauter miteinander zu werden, beschließt sie, dass Victor sie malen soll. Und er kommt der Bitte nach. Doch als Dora das fertige Bild erstmals sieht, wird alles anders …
Ein leiser, langsam erzählter Roman um Liebe, Verdrängung und Schuld – berührend.
Lieblingsleichen
Autor: Kester Schlenz + Jan Jepsen
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-77514-9
Preis: 17,00 €
Buchtipp von: Stefan Decken (April 2026)
Im Hamburger Miniatur-Wunderland geht ein Mörder um. Zwar sind die Leichen, die er dort deponiert, keine drei Zentimeter lang und aus Kunststoff. Aber sie kündigen grausame reale Morde an, die in Hamburg an identischen Tatorten Obdachlose treffen. Die echten Opfer sind stets versehen mit der Notiz "Lieblingsleiche" bzw. "In Hamburg sagt man …
WeiterlesenIm Hamburger Miniatur-Wunderland geht ein Mörder um. Zwar sind die Leichen, die er dort deponiert, keine drei Zentimeter lang und aus Kunststoff. Aber sie kündigen grausame reale Morde an, die in Hamburg an identischen Tatorten Obdachlose treffen. Die echten Opfer sind stets versehen mit der Notiz "Lieblingsleiche" bzw. "In Hamburg sagt man Tschüss". Die zynische Inszenierung geht sofort viral, sorgt für spektakuläre Bilder. Kommissar Knudsen sieht den Ernst der Lage. Die gesellschaftliche Problematik kennt er: Hamburg ist bundesweit die Stadt mit den meisten Obdachlosen. Und womöglich, so befürchtet Knudsen, treffen die unmenschlichen Killer sogar bei manchen auf klammheimliche Zustimmung.
Die Ermittlungen führen zu einer rechten Burschenschaft, die Migranten jagt. Die Tochter seines Freundes Oke, mit deutschen und venezolanischen Wurzeln, gerät ungewollt zwischen die Fronten...
Kester Schlenz und Jan Jepsen haben auch in ihrem 4. Krimi um den Altonaer LKA-Kommissar Thies Knudsen die richtige Mischung aus Spannung, Lokalkolorit und Gesellschaftskritik gefunden!
(Bd. 1 Der Bojenmann, Bd. 2 Der Schattenmann, Bd. 3 Schlick, Bd. 4 Lieblingsleichen)
Moosland
Autor: Katrin Zipse
Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 978-3-7558-0071-2
Preis: 24,00 €
Buchtipp von: Anne Simon (April 2026)
„Landarbeiterinnen aus Deutschland gesucht". Dieser kurze Anzeigentext vom isländischen Bauernverband steht 1949 in norddeutschen Zeitungen. Der Grund ist ein akuter Männerüberschuss in den ländlichen Regionen der Insel, unter anderem verursacht durch den Wirtschaftsboom, der die Frauen zum Arbeiten und Studieren in die Städte zieht. Und weitere …
Weiterlesen„Landarbeiterinnen aus Deutschland gesucht". Dieser kurze Anzeigentext vom isländischen Bauernverband steht 1949 in norddeutschen Zeitungen. Der Grund ist ein akuter Männerüberschuss in den ländlichen Regionen der Insel, unter anderem verursacht durch den Wirtschaftsboom, der die Frauen zum Arbeiten und Studieren in die Städte zieht. Und weitere Frauen sind den amerikanischen und britischen Soldaten gefolgt, die die Insel bis zum Ende des Krieges besetzt hatten.
Die deutschen Frauen folgen dem Aufruf zu Hunderten, die meisten aus der puren Not heraus, viele von ihnen schwer traumatisiert. Auch Elsa ist eine von ihnen. Als sie nach einer langen Reise auf einem kleinen Hof an der isländischen Küste ankommt, ist es nicht die berauschende Weite des Landes, die ihr die Sprache verschlägt. Und auch das komplizierte Isländisch ist nicht ihr größtes Problem. Es ist der Krieg, der ihr die Worte raubt, das Trauma um den Tod ihrer Lieben. Elsa schweigt, spricht mit niemandem ein Wort.
Die Familie, die sie empfängt, ist ihr wohlgesonnen. Der Bauer und seine Frau sind ernst, aber wohlwollend. Sie erkennen Elsas Bereitschaft anzupacken und auch schwerer körperlicher Arbeit nicht aus dem Weg zu gehen. Die beiden Söhne und der Knecht schenken ihr Aufmerksamkeit, nehmen sie herzlich auf und ihre bloße Anwesenheit verändert die Dynamik der ganzen Familie. Trotzdem schweigt Elsa weiterhin, bleibt weitestgehend für sich. Selbst die Briefe einer deutschen Bekannten lässt sie unbeantwortet. Ihre Dämonen der Vergangenheit lassen sie nicht los.
Das Land, die Natur und das Spiel der Jahreszeiten sind es schließlich, die der jungen Frau einen Funken Hoffnung schenken. Und auch die Worte ihrer verstorbenen Freundin Sola mahnen sie, nicht aufzugeben: „Dass du mir das bloß nicht vergisst, (…) dass man tatsächlich immer wieder ankommen kann.“
Ein eindringlicher Roman, mit berauschenden Naturbeschreibungen, authentischen und liebevoll beschriebenen Charakteren und trotz all der Düsternis des Lebens immer einem Silberstreif am Horizont.
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