Unsere Empfehlungen

Jenseits der Erwartungen

Autor: Richard Russo

Verlag: DuMont

ISBN: 978-3-8321-8115-4

Preis: 22,00 €

Buchtipp von: Rainer Francke (Juli 2020)

Jenseits der Erwartungen

Drei Studienfreunde treffen sich nach Jahrzehnten im Ferienhaus eines der drei in Martha‘s Vineyard an der Ostküste der USA wieder. 44 Jahre zuvor waren sie auch dort, noch zusammen mit einer gemeinsamen Freundin, die aber nach ihrer gemeinsamen Zeit dort verschwunden ist. Ihr ge…

Weiterlesen

Drei Studienfreunde treffen sich nach Jahrzehnten im Ferienhaus eines der drei in Martha‘s Vineyard an der Ostküste der USA wieder. 44 Jahre zuvor waren sie auch dort, noch zusammen mit einer gemeinsamen Freundin, die aber nach ihrer gemeinsamen Zeit dort verschwunden ist. Ihr gemeinsamer Urlaub war der Abschluss ihrer Collegezeit, und die wahnsinnige Vietnam-Lotterie vom 1. Dezember 1969 hielt zumindest für einen von ihnen eine Zukunft in Fernost bereit …
Jetzt kommen sie also wieder zusammen: ein durch den Immobiliencrash gebeutelter Makler, ein Verleger und ein Musiker: gemeinsam lassen sie ihre unterschiedlichen Lebenswege Revue passieren. Doch zwischen ihnen steht auch das Geheimnis der verschwundenen Jacy, in die sie alle ein bisschen verliebt waren …
Richard Russo ist ein großartiger Meister im Zeichnen liebenswerter und gleichzeitig skurriler Menschen des Alltagsamerikas vor Trump. Sie wachsen dem Leser gleichsam als erweiterte Familie ans Herz, eigene und nachvollziehbare Persönlichkeiten, und das alles unterlegt von der rätselhaften Geschichte der Jacy – ein Roman, den man nicht so schnell aus der Hand legt und nach dessen Ende man fast ein Verlustgefühl verspürt: Gute Unterhaltung!

Weniger anzeigen

254 Tage mit Jane Doe

Autor: Michael Belanger

Verlag: Carlsen

ISBN: 978-3-551-58409-0

Preis: 18,00 €

Buchtipp von: Anne Simon (Juli 2020)

254 Tage mit Jane Doe

Es ist wohl der klassische Einstieg in der Jugendliteratur: Er oder sie zieht von der großen Stadt raus in irgendein Kaff im Nirgendwo, in dem es einfach nichts Erwähnenswertes gibt und man nichts auch nur halbwegs spannendes unternehmen kann. Pure Langeweile vorprogrammiert. D…

Weiterlesen

Es ist wohl der klassische Einstieg in der Jugendliteratur: Er oder sie zieht von der großen Stadt raus in irgendein Kaff im Nirgendwo, in dem es einfach nichts Erwähnenswertes gibt und man nichts auch nur halbwegs spannendes unternehmen kann. Pure Langeweile vorprogrammiert. Das aufregendste was dieser Ort zu bieten hat, sind dann wohl ein paar Kühe, die genügsam auf der Wiese stehen und ebenfalls nichts tun. Was aus dem Kaff natürlich ein Kuhkaff macht. So auch in „254 Tage mit Jane Doe“. Besagter Jane Doe gehen genau diese Gedanken durch den Kopf, als sie mit ihren Eltern von New York ins beschauliche Burgerville zieht. Gut, dass sie bald Ray kennenlernt, der schon sein ganzes bisheriges Leben hier verbracht hat und alles über die Geschichte der Stadt weiß. Und der ihr verrät, dass es sich bei den Kühen von Burgerville um keine gewöhnlichen Rindviecher handelt. Vielmehr hält sich seit vielen Jahren die Legende von grünen Kühen - aggressiv und mit Reisszähnen ausgestattet, sorgten sie in Burgerville einst für Angst und Schrecken. Jane, die eine besondere Vorliebe für Verschwörungstheorien hat, ist hingerissen, und verabredet sich sofort mit Ray, damit er ihr die Stadt und ihre skurrile Geschichte näher bringt.
Ein Schock für Ray, wenn auch ein guter Schock. Denn bisher ist er es nicht gewohnt, dass ihm irgendjemand außer seiner Mutter oder seines einzigen Freundes Simon auch nur einen Hauch von Aufmerksamkeit entgegenbringt. Seine Strategie, den Schulalltag zu überstehen, besteht bisher darin, möglichst unsichtbar zu sein und tunlichst nicht aufzufallen.
Jane scheint es egal zu sein, was andere von ihr halten. Sie ist cool und irgendwie mysteriös. Und sie mag Ray so wie er ist. Gemeinsam mit Simon widmen sie sich in den nächsten Wochen der geheimnisvollen Historie von Burgerville. Jane scheint sich langsam mit ihrer neuen Umgebung anzufreunden und ganz langsam beginnt Ray an „Simons Gesetz“ zu glauben - Alles was gut gehen kann, wird gut gehen - Zum ersten Mal seit langer Zeit ist Ray wirklich glücklich. Doch das Glück ist nicht von langer Dauer. Janes mysteriöse Art hat seine Gründe und auch wenn alle ihr bestes geben, steuert die Geschichte schließlich auf das Undenkbare hinaus. Und auf die Gewissheit, dass es nicht auf jede Frage eine Antwort gibt.

Michael Belangers Romandebüt ist zugleich herzerwärmend wie herzzerreißend. Mit seiner Art, einer besonders emotionale Erkenntnis einen ebenso besonders bissigen Witz hinterher zu schicken, zeigt er, dass der Schmerz und das Glück des Erwachsenwerdens meist ganz eng beieinander liegen. Für alle, die diese Erkenntnis noch machen werden und die, die sich daran erinnern können.

Weniger anzeigen

Libelle, Marienkäfer & Co

Autor: Anne Sverdrup-Thygeson

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-15981-9

Preis: 15,00 €

Buchtipp von: Sigrid Pommeranz (Juli 2020)

Libelle, Marienkäfer & Co

Auf meinem Balkon summt und brummt es, alle möglichen Insekten tummeln sich hier. Hier sitze ich gern und neuerdings mit dem Buch von Anne Svertrup-Thygeson auf dem Schoß. Schon nach ein paar Seiten fand ich sogar eine Fliege interessant. Das lästige Tier landete immer wieder au…

Weiterlesen

Auf meinem Balkon summt und brummt es, alle möglichen Insekten tummeln sich hier. Hier sitze ich gern und neuerdings mit dem Buch von Anne Svertrup-Thygeson auf dem Schoß. Schon nach ein paar Seiten fand ich sogar eine Fliege interessant. Das lästige Tier landete immer wieder auf meinem Bein und ich konnte sie mir etwas genauer betrachten. Vierzig Seiten weiter habe ich dann allerdings doch beschlossen, dass wir keine Freunde werden, nachdem ich gelesen habe, wie sie ihr Fressen aufnimmt.

Die Welt der Insekten ist wahnsinnig interessant, besonders wenn es so faszinierend, witzig und leicht erzählt wird wie in diesem Buch. Wissenschaftlich fundiert, aber auch für Laien angenehm zu lesen. Sehr vergnüglich beschreibt die Autorin die Fortpflanzung der Sechsbeiner oder auch pflanzensaugende Insekten, die ganze sechzehn Jahre nicht an die Oberfläche kommen und erst im siebzehnten Jahr nach oben klettern. Wegen ihres lautstarken Gesanges wurden in Amerika tatsächlich schon Hochzeitsfeste abgesagt... Oder sie erzählt zum Beispiel, wie eine Insektenmutter im Wald auf Wohnungssuche geht und dass tote Bäume für sie gut gefüllte Kühlschränke sind.

Anne Sverdrup-Thygeson ist Professorin an der Norwegischen Universität für Umwelt- und Biowissenschaften. Sie liebt es, Zeit draußen zu verbringen und man merkt, wie sie mit Herz und Seele für die Welt der Insekten brennt. Von der Schmeißfliege über den Schmetterling bis zur Ameise weiß sie Erstaunliches zu berichten. Insekten sind nicht nur nützlich, nicht immer possierlich, aber absolut unersetzlich. Anne Sverdrup-Thygeson plädiert in diesem Buch dafür, dass sie nicht von der Bildfläche verschwinden. Ich schließe mich dem an.

Weniger anzeigen

Die Wichtel aus dem Hundertwurzelwald

Autor: Anna Taube

Verlag: Magellan

ISBN: 978-3-7348-2842-3

Preis: 14,00 €

Buchtipp von: Vanessa Bartz (Juli 2020)

Die Wichtel aus dem Hundertwurzelwald

Im Hundertwurzelwald beginnt der Frühling und langsam erwachen die Tiere aus dem Winterschlaf. Auch alle Zauberwesen genießen die warmen Sonnenstrahlen. Tiere, Wichtel, Feen, Zwerge und andere fantastische Wesen leben zusammen im Einklang und helfen sich gegenseitig. Besonders d…

Weiterlesen

Im Hundertwurzelwald beginnt der Frühling und langsam erwachen die Tiere aus dem Winterschlaf. Auch alle Zauberwesen genießen die warmen Sonnenstrahlen. Tiere, Wichtel, Feen, Zwerge und andere fantastische Wesen leben zusammen im Einklang und helfen sich gegenseitig. Besonders das kleine Wichtelmädchen Imme hat wieder gut zu tun. Imme hilft ihren Onkel Doktor Wiesenfeld in der Wurzelwaldklinik. Alle Lebewesen können sich in der Klinik Hilfe holen.
Eines Tages kommt eine Brieftaube vorbei und bringt eine Einladung von den Elfen. Der neue Elfenkönig wird gekrönt und alle sind in die Elfenstadt eingeladen. Imme kommt natürlich auch mit und lernt dort den Elfenjungen Laurin kennen. Gemeinsam versuchen die Beiden hinter den bösen Plan des Elfengenerals Lynnox zu kommen, denn Laurin hat bei ihm ein ganz komisches Gefühl.

Ich habe mich ein bisschen geärgert, dass ich „Die Wichtel aus dem Hundertwurzelwald“ erst jetzt gelesen habe. Hätte ich das Buch doch nur zum Frühlingsanfang zur Hand genommen. Nicht nur die Geschichte ist sehr schön, sondern man lernt auch viel über Tiere, Kräuter, Pflanzen und Wälder. Was passiert im Frühling in der Natur? Was für Kräuter wachsen und welche Wirkung haben diese? Wofür sind Ameisen gut? Diese und viele andere Fragen werden beantwortet. Am Ende findet der Leser sogar noch ein kleines Kräuterlexikon mit schönen Bildern. Ob Jung oder Alt, wenn man dieses Buch gelesen hat, möchte man sofort in den Wald gehen, die Natur entdecken und vielleicht den einen oder anderen Wichtel finden.
(ein Buch für Menschen ab 6 Jahren)

Weniger anzeigen

Der Wassertänzer

Autor: Ta-Nehisi Coates

Verlag: Blessing

ISBN: 978-3-89667-658-0

Preis: 24,00 €

Buchtipp von: Rainer Francke (Juni 2020)

Der Wassertänzer

Amerika in der Endzeit der Sklaverei, West Virginia, eine Tabakplantage: Hier wächst Hiram Walker als Sklave auf, seine Mutter wurde verkauft, insgesamt befindet sich der Tabakanbau auf den ausgebluteten Feldern auf dem Niedergang. Hiram ist intelligent und könnte – als ill…

Weiterlesen

Amerika in der Endzeit der Sklaverei, West Virginia, eine Tabakplantage: Hier wächst Hiram Walker als Sklave auf, seine Mutter wurde verkauft, insgesamt befindet sich der Tabakanbau auf den ausgebluteten Feldern auf dem Niedergang. Hiram ist intelligent und könnte – als illegitimer Sohn des Plantagenbesitzers – manches verbessern, doch der „rechtmäßige“ Erbe, sein Halbbruder, weiß ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Doch dieser kommt, Folge seines charakterlosen Lebenswandels, bei einem Unglück uns Leben. Hiram kann sich aufgrund seiner von seiner Mutter ererbten „Gabe“, einer transzendentalen Fähigkeit, retten.
Er beginnt seine Flucht zu planen, die ihn über geheime Widerstandszellen im wilden amerikanischen Süden schließlich in das freie Philadelphia führt. Doch er muss zurück, um mit Hilfe des „Underground“ auch seine Liebe in die Freiheit zu führen.
So weit die Handlung, könnte also ein spannender Roman über die letzen Jahre der Sklaverei sein. Und ist doch viel mehr: Der Autor verleiht seiner Hauptfigur aus der kollektiven schwarzen Erinnerung gespeiste Superkräfte, die ihn und andere retten können – ohne dass den Leser jemals das Gefühl von Hokuspokus überkommt.
Ein berührender, wendungsreicher und spannender Roman in einer neuen, ungewöhnlichen Erzählweise eines schwarzen Amerikaners:
Ta-Nehisi Coates, Der Wassertänzer (Übersetzung: Bernhard Robben)

Weniger anzeigen

Arbeit

Autor: Thorsten Nagelschmidt

Verlag: S. Fischer

ISBN: 978-3-10-397411-9

Preis: 22,00 €

Buchtipp von: Stefan Decken (Juni 2020)

Arbeit

"Arbeit" ist ein Roman. Ein Roman über Berlin bei Nacht. Oder genauer gesagt: über eine exemplarische Nacht in Berlin, rund um den Kiez zwischen den U-Bahn-Stationen Schlesisches und Kottbusser Tor. Zwölf Stunden aus dem Leben derer, die die Ausgehszene wach halten, di…

Weiterlesen

"Arbeit" ist ein Roman. Ein Roman über Berlin bei Nacht. Oder genauer gesagt: über eine exemplarische Nacht in Berlin, rund um den Kiez zwischen den U-Bahn-Stationen Schlesisches und Kottbusser Tor. Zwölf Stunden aus dem Leben derer, die die Ausgehszene wach halten, die arbeiten, während um sie herum gefeiert wird: da ist der Türsteher an der Disco, dessen junge Familie ihm durch seine Arbeitszeiten komplett zu entgleiten droht, da ist die Fahrradkurierin, die Essen ausliefert und sich auf den Straßen gegen das motorisierte Partyvolk behaupten muss. Die Besitzerin eines Spätis erlebt den zweiten Überfall in diesem Jahr, der Mitarbeiter eines Hostels verzweifelt während der Nachtschicht an seinen obskuren Gästen, die Antiquariatsbuchhändlerin muss ihre wenigen Einkünfte durch das Sammeln von Altglas aufbessern. Die junge Polizistin arbeitet ebenso wie der Drogendealer an der Tanke, wie der Taxifahrer, der die Fahrt seines Lebens wittert, wie die idealistische Notfallsanitäterin...
Thorsten Nagelschmidt, vielen als Sänger der Gruppe Muff Potter bekannt, erzählt in seinem neuen Roman von denen, die Berlin am Leben halten. Er lässt seine Charaktere träumen, (oft schlechte) Ideen haben, an ihren Ambitionen scheitern und trotzdem irgendwie weiterleben. Wie geschickt Nagelschmidt dabei die einzelnen Erzählstränge einer Nacht verwebt, wie sehr sie auf ein Ende hinauslaufen, das fast genauso spektakulär ist wie die Serie an Bränden, die die Stadt heimsucht, wird dem Leser erst allmählich klar. Das letzte Kapitel jedenfalls gehört der Fahrerin der BVG in ihrer Kehrmaschine... Starke Literatur, natürlich nicht nur für Nachtschwärmer!

Weniger anzeigen

Der Aufstieg und Fall des D.O.D.O.

Autor: Neal Stephenson/Nicole Galland

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-48964-0

Preis: 15,00 €

Buchtipp von: Anne Simon (Juni 2020)

Der Aufstieg und Fall des D.O.D.O.

„Ich arbeite für eine obskure Regierungseinrichtung, von der Sie noch nie gehört haben, und wenn Sie versuchen, sie zu googeln, werden Sie keinen Hinweis darauf finden, nicht einmal von abgedrehten Verschwörungstheoretikern.“ So stellt sich der smarte Tristan Lyons vor, kurz nachde…

Weiterlesen

„Ich arbeite für eine obskure Regierungseinrichtung, von der Sie noch nie gehört haben, und wenn Sie versuchen, sie zu googeln, werden Sie keinen Hinweis darauf finden, nicht einmal von abgedrehten Verschwörungstheoretikern.“ So stellt sich der smarte Tristan Lyons vor, kurz nachdem er die Linguistin Melisandre Stokes im Flur fast über den Haufen gelaufen hat.
Klar, dass Melisandre, kurz Mel, nicht nur physisch überrumpelt ist, als Tristan ihr kurz darauf einen Job in genau dieser obskuren Regierungsorganisation namens D.O.D.O. anbietet. Da ihre derzeitige Anstellung ihr sowieso stinkt und Tristan ihr ohne mit der Wimper zu zucken das vierfache Gehalt verspricht, willigt Mel kurzentschlossen in das Angebot ein - ohne überhaupt zu wissen, was sie bei D.O.D.O. erwartet. Denn das ist zunächst „Verschlusssache“! Das Projekt unterliegt höchsten militärischen Geheimhaltungsregularien. Erst nach etlichen Wochen intensiver Arbeit weiht Tristan sie in den Zweck des Projekts ein:

Anhand monatelanger Recherchen hat man herausgefunden, dass Magie, wie wir sie aus Märchen und Sagen kennen, tatsächlich existiert hat. Im Jahr 1851 allerdings verschwand sie aus der Welt, was in irgendeinen Zusammenhang mit dem damaligen wissenschaftlichen Fortschritt gebracht wird.
Ziel von D.O.D.O. ist es nun, in die Vergangenheit zu reisen und das Verschwinden der Magie zu verhindern. Mit Hilfe eines emeritierten Physikprofessors, der bereits vor Jahren eine Art Kammer entwickelt hat, in deren Inneren die Ausübung von Magie noch möglich ist, und der Unterstützung einer egozentrischen Hexe verzeichnet man schon bald erste Erfolge. Doch Reisen in die Vergangenheit bergen auch Gefahren für die Zukunft, dass müssen alle Beteiligten schon bald erfahren. Manchmal bleibt ein Menschenleben auf der Strecke, manchmal deine liebste Biersorte.

Neal Stephenson und Nicole Galland haben eine detailverliebte Mischung aus Magie, Science Fiction, Historie und Quantentheorie geschaffen, deren Ideenreichtum die knapp 900 Seiten voll ausfüllt. Dank abwechslungsreicher Erzählweise (Tagebucheinträge, Briefe und sogar Powerpointpräsentationen!) sowie Mels und Tristans schwarzhumorigen Wortgefechten ist das ein großes und weitestgehend kurzweiliges Vergnügen.
(übersetzt von Juliane Gräbener-Müller)

Weniger anzeigen

Ein halbes Herz

Autor: Sofia Lundberg

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-31494-2

Preis: 20,00 €

Buchtipp von: Sigrid Düsterhus (Juni 2020)

Ein halbes Herz

Die schwedische Fotografin Elin Boals lebt mit ihrer Familie in New York. Ihre Arbeit gibt ihr Halt und füllt ihr Leben aus, trennt sie aber auch von ihrer Familie. Seit Wochen hat Elin nicht mehr zuhause zu Abend gegessen. Immer öfter warten ihr Mann und ihre Tochter Alice v…

Weiterlesen

Die schwedische Fotografin Elin Boals lebt mit ihrer Familie in New York. Ihre Arbeit gibt ihr Halt und füllt ihr Leben aus, trennt sie aber auch von ihrer Familie. Seit Wochen hat Elin nicht mehr zuhause zu Abend gegessen. Immer öfter warten ihr Mann und ihre Tochter Alice vergeblich auf sie. Doch das kratzt nicht an Elins Panzer. Was sie allerdings ganz aus der Bahn wirft, ist ein Brief aus Gotland von ihrem Jugendfreund Fredrik. Der Brief enthält eine Art Sternenkarte, auf der ihr Name steht. Höchste Zeit für Elin, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Eine Vergangenheit, die geprägt war von Armut und einem dunklen Geheimnis, das sie eigentlich für immer hinter sich lassen wollte und das sie auch ihrem Mann und ihrer Tochter verschwiegen hat.

Die Geschichte pendelt zwischen dem heutigen New York 2017 und Gotland in den Jahren 1979 und 1982. Langsam erfährt der Leser, was sich zugetragen hat und wie Elin aufgewachsen ist. Die Mutter war manisch-depressiv und der Vater im Gefängnis, ständig hatte Elin Angst um ihre jüngeren Brüder. Nach einem tragischen Ereignis schottete sich Elin gänzlich ab und kehrte ihrer Heimat Schweden den Rücken.
Doch nun will Elin noch einmal nach Gotland zurück...

Ein dramatischer Roman mit Tiefgang und dennoch eine Geschichte, die noch lange positiv nachhallt. Sofia Lundberg schreibt in einem ausgesprochen schönen leichten Sprachstil und das Buch wird durch die einfließende Empathie zu einem Lesevergnügen. Mit Spannung habe ich Elins Lebenslauf verfolgt.

Weniger anzeigen